»Wie Sie durch Verbessern der Mitarbeiterführung das Image Ihres Hotels wie das der gesamten Branche optimal aufwerten können.«

Alexander Aisenbrey ist nicht nur Vorzeigedirektor vom Öschberghof, Donaueschingen, der kürzlich vom 4-Sterne- zum 5-Sterne-Haus avancierte, sondern auch Initiator von Fair Job Hotels. Wie er die Gastgeberbranche durch Mitarbeiterbegeisterung und einem Pick-up-Wagen aufwerten möchte und was seine praxiserprobten Tipps sind, zu einem Best Practice Arbeitgeber zu werden, erzählt er uns in unserem Expertentalk zur Hotelharmonisierung.

Mitarbeitermangel, fiese Arbeitszeiten, üble Bezahlung …

Das ständige Klagen über das schlechte Image der Branche und den daraus resultierenden Fachkräftemangel ging Alexander Aisenbrey vor drei Jahren gehörig auf die Nerven. ‚Lasst uns aufhören zu klagen, lasst uns lieber etwas für die Branche tun’, schlug er seinen 13 verbündeten Hotelmanagern vor und gründete im Sommer 2016 Fair Job Hotels.

 

Seien Sie fair gegenüber Ihren Mitarbeitern.

Fair Job Hotels ist ein Bund von derzeit knapp 80 Hotels in Deutschland, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, 100%ig anständig mit ihren Mitarbeitern umzugehen und eine verantwortungsbewusste Teamführung zu übernehmen. Zu zeigen, dass Dienstleistung nichts Anrüchiges ist, und dass es tolle Jobs und Karrieremöglichkeiten in einem wunderbaren Arbeitsumfeld in der Hotellerie gibt, ist deren Ziel. Dafür legen sich die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder richtig ins Zeug. Jérôme Boateng, Udo Lindenberg, Christian Rach, Hannelore Elsner. Sie engagierte Fair Job Hotels in den vergangenen 2,5 Jahren, um für das Image der Branche, korrekte Arbeitsbedingungen zu werben und auch für die Wertschätzung der Hotelmitarbeiter zu plädieren.  

 

Der neuste Coup? – #fjhtrophy

Mit einem bunt gebrandeten Range-Rover startet die Initiative die „Fair Job Trophy“ und bringt ihre Botschaft so auf die Straße. Einmal ein ganzes Jahr quer durch Deutschland geht die Reise zu Gymnasien, Berufsfach- und Hochschulen, Bildungseinrichtungen, Job- und Karrieremessen. Hier wird Furore für die Branche bei den Nachwuchskräften gemacht.

 

»Wir müssen dem Mitarbeiter entgegentreten und erklären, dass seine Belange wichtig sind.«

 

 

Best Practice für engagiert-zufriedene Mitarbeiter

Die Partnerhotels verpflichten sich den Zehn Geboten von Fair Job Hotels, die sich um faire Konditionen und moderne Arbeitsmodelle, Mitarbeiterförderung und ein gutes Image drehen. Dazu haben sie sich einen unabhängigen „Fairtrauensmann“ wie eine „Fairtrauensfrau“ ins Boot geholt. Bei Fragestellungen und vermeintlichem Regelmissbrauch können sie zu Rate gezogen werden. Auch wenn es schwierig ist, die Gesetze, die es gibt, einzuhalten, müssen sie doch verbindlich gelebt werden.

Lisa Boje, Alexander Aisenbrey, Marina Hobi, Fair Job Hotels Trophy, InterContinental Berlin, Deutscher Hotelkongress 2019

Wer braucht schon Hotels?

Obwohl die Hotellerie und Gastronomie viel mehr Arbeitsplätze in Deutschland liefert als bspw. die Automobilindustrie, wird sie von der Gesellschaft kaum geachtet und von der Wirtschaft wie Politik nicht für wichtig genommen.

Dass Arbeitsbedingungen neugestaltet werden müssten, damit der Hotelablauf auch fair für alle Beteiligten wird, ist für Aisenbrey ein Muss. Dafür braucht es auch den dringenden Dialog mit Wirtschaft und Politik. Alle Hotel- und Gaststättenverbände sollten sich zusammenschließen, ihre Belange mit einer lauten Sprache äußern und eine starke Einheit bilden.

 

Stärken Sie Ihr Employer Branding und die Lobby-Arbeit.

Jedes Hotel in Deutschland, das sich der Initiative Fair Job Hotels anschließen und seine Werte leben will, profitiert vom Label Fair Job Hotels. Ganz gleich welchen Standard es vertritt. Denn der Verein möchte wachsen und der Branche zu neuem Ansehen verhelfen. Es soll sich endlich etwas bewegen.

 

»Die, die es richtig machen, brauchen keine Sterne (Standards). Sie brauchen Visionen.«

 

 

Verabschieden Sie sich von alten Mythen.

Für eine positive Veränderung in der Hotellerie und Gastronomie muss ein Umdenken stattfinden. Schlechte Vorgänge müssen verabschiedet werden. Denn ein Hotel arbeitet erst dann nachhaltig richtig, wenn alles im Einklang ist. Unterbezahlte, überforderte Mitarbeiter wie ein Mittagsmenü für gerade mal 4,99 Euro sind der verkehrte Weg. Und auch der Hoteldirektor, der sich selber wichtiger als seine Gäste und Mitarbeiter nimmt, hat ausgedient.

 

Der Manager als Dienstleister für sein Team.

Alexander Aisenbrey hält sich seit jeher an fünf Tipps zur Best Practice in der Mitarbeiterführung. 

1.  Menschlichkeit insbesondere im Umgang mit seinen Mitarbeitern zeigen.

2.  Zuhören und Lösungen schaffen. Für Gäste, Investoren und Mitarbeiter.

Für letztere auch außerbetrieblich. 

3.  Bewerten und Leistung anerkennen.

4.  Entscheidungen treffen und dazu auch stehen.

5.  Fehler machen dürfen, sie zugeben und daraus lernen.

 

»Führung hat nichts mit Standards zu tun, Führung hat mit Überzeugung zu tun.«

 

 

Mitarbeiterbegeisterung zahlt sich aus. Auch bei Preiserhöhungen.

Dass man mit einer Mitarbeiterführung, bei der die Motivation hochgehalten und auf die persönlichen Belange des Einzelnen Rücksicht genommen wird, wirklich Erfolg hat, beweist der Direktor des Öschberghofs seit 17 Jahren. Seine jährliche Fluktuationsrate liegt bei gerade mal 5%.

Bereits vor dem dreijährigen Umbau des Hotels vom 4-Sterne-Superior- zum 5-Sterne-Superior-Haus erzielte das Hotel eine Auslastung von fast 90% ohne Rabatte zu geben. Das wäre ohne zufriedene, langfristige Mitarbeiter nicht möglich gewesen, ist sich Aisenbrey sicher. Heute sind die Hotelpreise aufgrund des Standardsprungs gestiegen. Und die Gäste gehen sie mit.

 

Mit Hilfe einer hohen Mitarbeiterloyalität Krisen bewältigen.

In der Zeit des Umbaus stand Alexander Aisenbrey vor der schwierigen Herausforderung, die Hälfte seines Teams entlassen zu müssen. Gleichwohl schaffte er es weitestgehend und ohne Massenkündigungen, die Mitarbeiter in anderen Hotels unterzubringen oder Zwischenlösungen für sie zu finden.

Alexander Aisenbrey, Geschäftsführer Öschberghof und 1. Vorsitzender Fair Job Hotels

Stellen Sie Ihre Angestellten in den Mittelpunkt Ihrer Management-Arbeit.

Für den Direktor des Öschberghofs sind nicht nur faire Arbeitsbedingungen wie eine ordentliche Bezahlung seiner Teammitglieder und ein anständiger Umgang mit Überstunden wichtig, sondern das Zuhören und Helfen, wo es geht. Er stellt sein Personal in den Mittelpunkt seiner Managementtätigkeit.

Sein Team ist ihm genauso wichtig, wie seine Gäste und der Investor. Daher nimmt er sich Zeit, ins Gespräch zu kommen. Sich um private Sorgen wie bspw. das kranke Familienmitglied, den arbeitslosen Partner oder die gefühlte Dauerüberforderung mitverantwortlich zu fühlen und Hilfe zu bieten, ist für Herrn Aisenbrey eine selbstverständliche Notwendigkeit.

 

»Die Probleme der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen wir uns anhören. Das ist unser Kapital.«

 

Werden Sie kreativ in Ihrer Mitarbeiterführung.

Am Öschberghof in Donaueschingen werden Dienstpläne verschoben, wenn Not am Mann ist. Teilzeit ausgebaut und Teildienste verringert. Flexible Arbeitsmodelle entwickelt. Branchenfremde Mitarbeiter und Springer fürs Wochenende eingestellt, die froh sind, in ihrer Freizeit zu arbeiten, während sein festes Team aufatmen kann.

Es werden Mütter oder ehemalige Angestellte tageweise wieder eingestellt, ohne dass sie in die Überforderung der Doppelbelastung abrutschen. Sie stürzen sich engagiert in ihre Aufgabe.

 

Ein eigenes, schönes Mitarbeiterhaus zum Chillen.

Seine Angestellten sind angehalten immer danach zu schauen, was man besser machen kann. So ist es kein Wunder, dass mit dem 65 Mio. Euro schweren Umbau des Öschberghofs auch die Mitarbeiter auf ihre Kosten gekommen sind. Sie erhielten ein eigenes, einladendes Mitarbeiterhaus, in dem die Auszubildenden ihre Koch- und Servierkünste unter Beweis stellen können.

Vegan, vegetarisch, kaltes und warmes Buffet mit und ohne Knoblauch, morgens, mittags, abends. Das Mitarbeiterrestaurant ist ein Ort der Begegnung geworden. Selbst hotelfremde Businessleute fragen mittlerweile an, ob sie dort ihren Lunch zu sich nehmen dürfen.

 

Tapen für die Angestellten.

Die gemütlich eingerichtete Chill-out-Lounge mit TV, Musik und Internet für das Team aber auch der gesamte Fitness- und Wellnessbereich des Hotels bieten Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten für die Angestellten.

Sie können auf einen Personal-Trainer, berufsgruppen-spezifische, eigene Fitnesskurse zurückgreifen. Es wird getaped, wenn es zwickt, massiert, wo es weh tut. Genau das schätzen die Angestellten des Öschberghofs sehr und machen ihn zum Vorzeigebetrieb und zum Fair Job Hotel.

 

»Manchmal ist es wichtig, sich zu fragen,
ob man noch zeitgemäß ist.«

 

Selbst testen und vorleben.

Um sicher zu gehen, dass es machbar und motivierend ist, seinen Angestellten ein berufsbegleitendes Studium zu ermöglichen, hat sich Herr Aisenbrey selbst mit 42 Jahren an der Business School zum Thema „Führung“ eingeschrieben. Im Zug und Flieger schrieb er seine Bachelor-Arbeit. Dem iPad und den Neuen Medien sei Dank. Heute machen es ihm gut 20 Mitarbeiter am Öschberghof gleich.

Am liebsten würde er auch noch einen Doktortitel in der Tasche haben, um mit 60 Jahren am Flügel in der Hotelhalle musizieren zu können, während ihm die Gäste sagen: „Spielen Sie’s noch einmal, Herr Doktor.“ Doch dafür müsste Herr Aisenbrey nicht nur Zeit für die Dissertation finden, sondern auch noch Klavierunterricht nehmen.

 

Lassen Sie Ihre Angestellten mit den Gästen sprechen.

Am Öschberghof arbeitet ein 71-jähriger langjähriger Mitarbeiter, der vor allem eines tut: er spricht dauernd mit den Gästen. Und die Gäste lieben ihn dafür. Ein Job, der nicht notwendig scheint, aber überaus wertvoll für den Betrieb und das Wohlbefinden der Gäste ist.

Es ist nicht mehr wichtig, ob Sie einen perfekt ausgebildeten Restaurantmitarbeiter engagieren, der sich mit allen Weinen der Welt auskennt. Viel wichtiger ist dessen Haltung zum perfekten Gastgebertum und die Freude am Miteinander. Da können Sie auch Quereinsteiger einstellen. Kniffs und Praktiken der Hotellerie und Gastronomie lassen sich rasch erlernen.

 

Mit Fröhlichkeit im Beruf den Gast begeistern.

Denn darum wird es immer stärker in der Zukunft gehen. Dass die Gäste begeistert werden, wozu man zunächst sein eigenes Team für sich gewinnen und für den eigenen Job begeistern muss. Die Mitarbeiter entwickeln sich so zu loyalen, langjährigen Teamplayern, die insbesondere für einen High Touch Betrieb unerlässlich werden. Denn die Gäste suchen mehr und mehr nach dem persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern.

 

»Das Zuhören ist meistens schon mal ein ganz großer Schritt.«

 

 

Es entwickeln sich Freundschaften zwischen Gast und Mitarbeiter.

Wenn der Gast den Mitarbeiter als Begrüßung erst einmal umarmt und sagt: „Jetzt bin ich wieder zu Hause“, dann hat die perfekte Gästebindung stattgefunden. Dazu ist die langfristige Bindung der Mitarbeiter unerlässlich.

Zudem sollen sich die Mitarbeiter vor den Gästen nicht verstellen. Ihre Authentizität, ihre Herzlichkeit und ihre Hilfsbereitschaft stehen im Mittelpunkt. Damit gewinnt man Gäste heute wie auch in Zukunft. Lassen Sie das Zimmermädchen doch mit russischem Akzent sprechen, wenn sie andersherum mit ihrem sonnigen Gemüt die Gäste morgens begrüßt.

 

Das Gegenstück zu High Touch ist Low Budget.

Das Gegenstück zu High Touch bildet dann das Low-Budget-Hotel, das mit immer mehr Technologie und immer weniger Mitarbeitern auskommt. In diese zwei Bereiche wird sich die Hotellandschaft künftig entwickeln, prognostiziert Alexander Aisenbrey.

 

Ein perfekter Tag für Alexander Aisenbrey.

Für den Direktor des Öschberghofs wie dem 1. Vorsitzenden von Fair Job Hotels, der gerne mit seinen Angestellten und Gästen Zeit verbringt, ist Low Budget keine Alternative. Am Ende des Tages sollte Eines vorherrschen: Wenn ihm von beiden Seiten gesagt wurde: „Es ist alles noch perfekt.“

So wünscht sich Alexander Aisenbrey heute vor allem wieder mehr Routine und Gelassenheit in seinem Hotel nach dem großen Umbau. Viele neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Teams müssen sich finden. Abläufe haben sich geändert. Frische Verkaufsideen und neue Zielgruppen wollen erschlossen werden.

Es gibt viel zu tun am Öschberghof in Donaueschingen. Aber auch für Fair Job Hotels.

 

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P.S.: Ich freue mich, dass es die Gleichstellungsdebatte gibt und wir Frauen immer öfter vorne mitgehen. Gleichwohl schreibe ich der Einfachheit halber wie aus Überzeugung, dass es kein „MitarbeiterInnen“ braucht, um weibliche Stärke zu zeigen, meine Artikel und Beiträge im gendernonkonformen Stil. Damit möchte ich niemanden abwerten. Im Gegenteil. Besten Dank für Ihr Verständnis.

Mehr zu Alexander Aisenbrey, Fair Job Hotels und dem Öschberghof finden Sie hier:

www.Fair-Job-Hotels.de

www.Oeschberghof.com

Gleich reinhören in den Podcast zu Best Practice Mitarbeiterführung – Fair Job Hotels, Alexander Aisenbrey

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